Montag, 6. August 2007
Jetzt bin ich schon seit 5 Tagen wieder in Deutschland und habe den versprochenen Bericht noch immer nicht geschrieben.
Der
Abschied von Mexiko, den Kindern, Freunden und dem Casa del Sol war
traurig. Vor allem das Wissen, dass ich die Kinder wohl nie wieder
sehen werde und nicht erfahren werde, ob sie eine Familie finden und
wie es ihnen ergangen ist, hat mir den Abschied schwer gemacht.....
Von
meinen Freunden, dem Personal und der Direktorin des Casa del Sol habe
ich mich mit dem Gefühl und dem ziemlich sicheren Wissen verabschiedet,
sie bald wieder zu sehen - ich glaube nicht, dass dies meine letzte
Reise nach Mexiko war.
Und ich bin mir sicher, dass ich mit einigen
Leuten Kontakt halten werde, solange ich hier in Deutschland bin. Auch
einige Freiwillige im Casa del Sol haben mir versprochen, mal ein paar
Fotos zu schicken und zu berichten, was es im Casa Neues gibt.
Die Ankunft hier in Deutschland und das
Nach-Hause-Kommen waren sehr herzlich und schön. Vor allem jetzt merke
ich, wie ich mich verändert habe im letzten Jahr und bekomme das auch
des öfteren gesagt. Das Jahr war anstrengend und ich habe auf einiges
verzichten müssen dafür, aber es hat mir unendlich gut getan. Die
Erfahrungen, die ich gemacht habe; die körperlichen und geistigen
Anforderungen, die ich zu erfüllen hatte - und damit das Vertrauen, das
mir entgegen gebracht wurde. Und natürlich - und das ist am wichtigsten
- alles das, was die Kinder mir gegeben haben. So viel Herzlichkeit und
Vertrauen, Spaß, Mut, Liebe und eine ganz andere und neue Sichtweise
aufs Leben. Ich glaube, ich habe mir viel abgucken können bei den
Kindern.
Im Rückblick auf das ganze Jahr bemerke ich auch,
wie sehr sich die Kinder in ihrer Persönlichkeit und in ihrem Verhalten
mir und uns gegenüber verändert haben.
Da gab es einige, die zu
Beginn des Jahres sehr ängstlich waren, Kontakt und vor allem
physischem Kontakt regelrecht aus dem Weg gegangen sind. Inzwischen
haben sich alle Kinder gefreut, wenn wir morgens in ihr Zimmer kamen,
sind alle Kinder mal angelaufen gekommen, um sich uns in die Arme zu
schmeißen, etwas zu zeigen, zu erzählen.
Da waren auch etliche
Kinder, die vor einem Jahr so gut wie gar nicht gesprochen haben,
obwohl sies an sich gekonnt hätten. Einige von ihnen gehen jetzt zur
Sprachtherapie und man merkt ihren Fortschritt ganz deutlich. Und
andere haben es ganz ohne spezielle Therapie geschafft, ihre
Verschanzung ganz vorsichtig und ganz langsam aufzugeben.
Armando der vor einem Jahr kam jemals ein Wort gesagt hat, obwohl er schon perfekt sprechen konnte. Und wenn er dann mal geredet hat, dann mit einer so vorsichtigen und leisen Stimme, dass man manchmal noch nicht einmal verstehen konnte, was er denn sagte. In den letzten Wochen kam er mehrere Male direkt auf mich zu, um mir etwas zu erzählen oder nahm mich an der Hand und zog mich in irgendeine Richtung, um mit ihm zu spielen.
Auch im Casa haben sich einige Dinge geändert:
Es gibt eine neue stellvertretende Direktorin und immer mal wieder kam
neues Personal dazu oder es ist jemand gegangen. Es ist eine komplett
neue Küche eingerichtet worden, Regeln für Küche und Essenszubereitung
festgelegt worden. Eine zweite Küchenhilfe und eine Ernährungsexpertin
wurden eingestellt. Es wird dafür gesorgt, daß die Kinder regelmäßig
gewogen und gemessen werden und es bekommen mehr Kinder einen Platz für
Physio-, Psycho- und Sprachtherapie.
Über das ganze Jahr waren wir 9 Freiwillige aus verschiedenen Ländern, die aber nicht alle zur gleichen Zeit im Casa del Sol angefangen haben und auch nicht gleich lange dort geblieben sind. Jetzt im Sommer fliegen auch die letzten von uns wieder nach Hause und es kommen neue Freiwillige ins Casa. Zwei werden mit dem IB als Entsendeorganisation im Casa del Sol sein, andere mit anderen Organisationen und einige ganz auf eigene Faust. Zwei der neuen Freiwilligen haben meine Website gelesen und mich daraufhin angesprochen - anscheinend gab es doch einige Besucher auf der Site.....
Ich bin glücklich, dieses Jahr im Casa del Sol und in Mexiko gewesen zu sein. Es hat mir ganz schrecklich viel Spaß gemacht und mich in vielen Dingen weitergebracht. Ich hoffe, dass ich meine nächste Reise nach Mexiko ganz bald unternehmen kann und vielleicht einige der Kinder wiedersehe, obwohl ich mir natürlich sehr wünsche, dass sie bis dahin eine eigene Familie gefunden haben.
Die Kinder und die Zeit im Casa del Sol werde ich nicht vergessen. Dafür war sie zu schön, zu bewegend und zu beeindruckend. Ich gehe mit dem Gefühl, getan zu haben, was ich kann und den Kindern ein kleines Bisschen mehr an Aufmerksamkeit und Zuwendung gegeben zu haben.
Ganz ganz vielen lieben und herzlichen Dank noch einmal an all die Leute, die mir dabei geholfen haben, dieses Jahr überhauot in Puebla verbringen zu können.
Ich werde versuchen, diese Site im Web stehen zu lassen, vielleicht einige Neuigkeiten unterzubringen und vielleicht vielleicht findet ja noch der ein oder andere Freiwillige so zum Casa del Sol.
Allerliebste Grüße,
Paula